Habe ich als Minijobber Anspruch auf bezahlten Urlaub?


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Mehr als sieben Millionen Deutsche gehen mittlerweile einer geringfügigen Beschäftigung nach. Dabei bekommen jedoch nur knapp 30 % der Minijobber im Falle einer Krankheit ihren Lohn auch weiterhin ausbezahlt und weniger als die Hälfte nehmen bezahlten Urlaub in Anspruch. Doch haben Minijobber überhaupt einen gesetzlichen Anspruch auf Urlaub und welche Sonderregelungen müssen beachten werden?

Gibt es in Deutschland eine gesetzliche Urlaubsregelung?


Gemäß § 3 des Bundesurlaubsgesetzes hat jeder Arbeitnehmer bei einer 6-Tage-Woche Anspruch auf 24 Tage Erholungsurlaub pro Jahr. Das Gesetz stammt aus dem Jahr 1963, in welchem eine sechstägige Arbeitswoche Standard war. Jedem Arbeitnehmer sollten durch diese gesetzlichen Rahmenbedingungen zumindest 4 Wochen Urlaub eingeräumt werden. Heutzutage überwiegt in Deutschland die 5-Tage-Woche, wobei Vollzeiterwerbstätige einen Mindesturlaubsanspruch von 20 Urlaubstagen pro Jahr haben. Als Grundlage für die Urlaubsberechnung dient ausschließlich die Anzahl der Werktage, an welchen ein Arbeitnehmer beschäftigt war.

Habe ich als Minijobber einen gesetzlichen Urlaubsanspruch?

Grundsätzlich haben auch Minijobber einen Anspruch auf bezahlten Erholungsurlaub. Als Basis für die Berechnung dienen immer die wöchentlichen Werktage und nicht die Anzahl der täglichen Arbeitsstunden. Arbeitet ein Minijobber an 5 Werktagen die Woche, für je eine Stunde, so hat dieser den gleichen Urlaubsanspruch, wie Kollegen, die Vollzeit arbeiten. Meist arbeiten Minijobber aufgrund der Verdienstgrenze von 450 Euro pro Monat jedoch nur einige wenige Tage pro Woche. Daher muss der Urlaubsanspruch individuell berechnet werden.

Kann der Urlaubsanspruch durch Tarifverträge beeinflusst werden?


Der gesetzliche Urlaubsanspruch, der jedem Arbeitnehmer in Deutschland zusteht, ist nur ein Mindestanspruch. Je nach Tarifvertrag und Arbeitsvertrag kann der Urlaubsanspruch auch wesentlich höher ausfallen. Einem Minijobber, der in einem Unternehmen tätig ist, in welchem ein höherer Urlaubsanspruch gilt, darf bei dieser Regelung kein Nachteil entstehen, da er Vollzeitbeschäftigten gleichgestellt ist. Haben Mitarbeiter in einem Unternehmen einen höheren Urlaubsanspruch, so gilt dieser daher immer auch für Teilzeitkräfte und Minijobber.

Wie kann ich meinen Urlaubsanspruch berechnen?

Zur Berechnung des Urlaubsanspruchs steht die allgemeine Urlaubsumrechnungsformel zur Verfügung. Diese kann sowohl von Vollzeitbeschäftigten als auch von Minijobbern angewendet werden.

Berechnung des jährlicher Urlaubsanspruchs bei Vollzeitbeschäftigung
Anzahl der jährlichen Urlaubstage / Anzahl der Wochenarbeitstage (Vollzeitbeschäftigung)

Beispiel 1: Ein Vollzeitbeschäftigter, der in einem Unternehmen arbeitet, in welchem der jährliche Urlaubsanspruch 25 Tage beträgt, hat Anspruch auf 25 Tage bzw. 5 Wochen Urlaub.

25/5 = 5 Wochen

Berechnung des Urlaubsanspruchs bei Teilzeitbeschäftigten oder Minijobbern
(Anzahl der jährlichen Urlaubstage / Anzahl der Wochenarbeitstage (Vollzeitbeschäftigung)) * geleistete wöchentliche Arbeitstage

Beispiel 2: Ein Minijobber der 4 Tage pro Woche in einem Unternehmen arbeitet, in dem der jährliche Urlaubsanspruch 25 Tage beträgt, hat somit Anspruch auf 20 Tage bzw. 5 Wochen bezahlten Urlaub pro Jahr.

(25/5) * 4 = 20 Tage

Minijobber, die nicht jede Woche die gleiche Anzahl an Arbeitstagen haben, können ihren Urlaubsanspruch ebenfalls sehr einfach selbst berechnen. In diesem Fall müssen die jährlichen Arbeitstage herangezogen werden. Die jährlichen Arbeitstage bei Vollzeitbeschäftigung betragen 260.

Berechnung des Urlaubsanspruchs bei unterschiedlichen Wochenarbeitszeiten
(Jährliche Urlaubstage * geleistete jährliche Arbeitstage) / Jahresarbeitstage

Beispiel 3: Beträgt der jährliche Urlaubsanspruch im Unternehmen 25 Tage und wird an 82 Tagen pro Jahr gearbeitet, so hat der Mitarbeiter einen Anspruch auf 8 Tage bezahlten Erholungsurlaub pro Jahr.

(25 * 82) / 260 = 7,8

Die Zahlen werden hierbei kaufmännische gerundet, sodass ein Ergebnis von 7,8 Tagen einen Urlaubsanspruch von 8 Tagen ergibt.

Kann mein Urlaubsanspruch verjähren?

Eine Mitnahme von Urlaubstagen in das darauffolgende Kalenderjahr kann nur dann erfolgen, wenn wichtige Gründe seitens des Arbeitnehmers diese Mitnahme rechtfertigen. Diese Regelung gilt auch für Minijobber, wobei die Ansprüche rechtzeitig geltend gemacht werden müssen. Werden die Ansprüche nicht fristgerecht bekannt gegeben, dann verjährt der Urlaub am 31. März des darauffolgenden Kalenderjahres. Eine Ausnahmeregelung gilt nur dann, wenn der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer trotz gesetzlichen Anspruchs keinen Urlaub gewährt. In diesem Fall muss der Arbeitnehmer den Arbeitgeber so früh wie möglich seinen Urlaubswunsch mitteilen. Verweigert der Arbeitnehmer diese Forderung, so können Schadensersatzansprüche geltend gemacht werden. Eine Nichteinhaltung der gesetzlichen Urlaubsregelung kann dabei Bußgeldzahlungen von bis zu 500.000 Euro für den Arbeitgeber nach sich ziehen.

Kann ich meinen Urlaub monetär abgelten lassen?

Eine monetäre Abgeltung des Urlaubsanspruchs ist nur in Ausnahmefällen, wie beispielsweise einer vorzeitigen Kündigung, möglich. Minijobber müssen hierbei jedoch beachten, dass sie mit ihrem Minijob maximal 5.400 Euro pro Jahr einnehmen dürfen. Übersteigen die Einnahmen aus dem Minijob diese Grenze, so wird der Minijob zu einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung, wodurch Sozialversicherungsbeiträge anfallen. Die Verdienstgrenze von 450 Euro pro Monat darf dennoch gelegentlich überschritten werden, sofern das Überschreiten der Grenze nicht vorhersehbar war. Eine nicht vorhersehbare fristlose Kündigung wird somit als Ausnahme gewertet, wodurch keine Sozialversicherungsbeträge anfallen.

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