Arbeitsrecht im Minijob: Wann müssen Arbeitnehmer selbst für Schäden haften?


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Ein Sachschaden am Arbeitsplatz ist schnell entstanden. Dabei spielt es keine Rolle, welchen Minijob Sie ausüben. Als Aushilfskraft im Einzelhandel kann Ihnen beim Einräumen der Regale etwas zu Bruch gehen. Sie gehen einer geringfügigen Beschäftigung in der Produktion nach? Dann wäre es denkbar, dass Sie eine Anlage falsch einstellen und dadurch ein Produktionsprozess abgebrochen werden muss. Doch nicht immer müssen Arbeitnehmer finanziell für den entstandenen Schaden haften. Denn Fehler können selbst den zuverlässigsten und sorgfältigsten Minijobbern unterlaufen. Weil überall da, wo gearbeitet wird, auch Schäden entstehen und Fehler gemacht werden können, gibt es ganz klare Regelungen zum Thema Arbeitnehmerhaftung.

Wann haftet ein Arbeitnehmer gegenüber dem Arbeitgeber?

Grundsätzlich gilt: Ist ein Schaden durch grobe Fahrlässigkeit oder sogar durch Absicht entstanden, muss der Arbeitnehmer auch dafür aufkommen. Entsteht ein Schaden aufgrund einer leichten Fahrlässigkeit, also im Prinzip unverschuldet, müssen Arbeitnehmer nicht dafür aufkommen. Damit sich ein Arbeitgeber die Frage stellen kann, ob sein Arbeitnehmer für einen begangenen Fehler haftet oder nicht, müssen zunächst diese beiden Voraussetzungen erfüllt sein: Erstens, Sie als Arbeitnehmer haben gegen Ihre Pflichten verstoßen. Zweitens: Durch genau diesen Pflichtverstoß haben Sie einen Schaden verursacht. Trifft beides zu, stellt sich die Frage nach dem Grad der Verschuldung:

Leichte Fahrlässigkeit: Bei einer leichten Fahrlässigkeit handelt sich in der Regel um kurze Augenblicke der Unaufmerksamkeit. Zum Beispiel, wenn man eine heiße Kaffeetasse umwirft und dabei ein technisches Gerät in Mitleidenschaft gezogen wird. Oder, wenn in einer frisch gewischten Backstube ein Bäcker ausrutscht und dabei Gebäck auf den Boden fällt, dass jetzt nicht mehr verkauft werden kann. Bei solchen „Pannen“ im Berufsalltag kann einem Arbeitnehmer keine Absicht unterstellt werden. Aus diesem Grund haften diese bei einer leichten Fahrlässigkeit in der Regel nicht.

Mittlere Fahrlässigkeit: In den meisten Fällen ist es so, dass Arbeitnehmer bei einer mittleren Fahrlässigkeit zu einem gewissen Anteil selbst haften. Welche Faktoren eine Rolle bei der Berechnung des Schadensanteils spielen, sehen Sie im nächsten Abschnitt. Eine komplette Befreiung der Arbeitnehmerhaftung gibt es bei einer mittleren Fahrlässigkeit meist nicht. Ein Beispiel für diesen Grad der Verschuldung ist, wenn Sie beim Zuschneiden von Holzplatten so sehr in ein Gespräch mit Ihrem Kollegen vertieft sind, dass Sie gar nicht merken, dass Sie ein falsches Maß zuschneiden. Weil es sich bei einer mittleren Fahrlässigkeit nicht um eine „Panne“ handelt, die mal passieren kann, werden Arbeitnehmer in diesem Fall am Schaden finanziell beteiligt.

Grobe Fahrlässigkeit: Ein Arbeitnehmer, der genau weiß, dass eine bestimmte Tat nicht in Ordnung ist und diese trotzdem ausführt, handelt mit Vorsatz und damit grob fahrlässig. In so einem Fall haftet der Arbeitnehmer in der Regel für den gesamten Schaden. Eine grobe Fahrlässigkeit liegt dann vor, wenn zum Beispiel aus Bequemlichkeit die Ladung in einem LKW nicht richtig gesichert wird und beim Transport Ware beschädigt wird. In manchen Fällen kommt es bei einer groben Fahrlässigkeit zu einer Haftungsbeschränkung. Worum es sich dabei handelt und für wen diese gelten kann, erfahren Sie im nächsten Abschnitt.

In welcher Höhe haftet ein Arbeitnehmer beim Arbeitgeber für Sachschäden?


Arbeitnehmer, die eine grobe Fahrlässigkeit begehen, haften selbst für den gesamten Schaden. Theoretisch. Doch nicht immer sind solche gesetzlichen Regelungen so einfach auf die Praxis übertragbar. Denn gerade Arbeitnehmer, die einer geringfügigen Beschäftigung nachgehen, verfügen meist über nicht so viel Eigenkapital. Entsteht beispielsweise ein Sachschaden von 150.000 Euro, dann steht das Einkommen des Minijobbers in einem deutlichen Missverhältnis zum entstandenen Schaden. Damit dieser Arbeitnehmer nicht für den Rest seines Lebens finanziell ruiniert ist, greift hier die Haftungseinschränkung. Ein Arbeitsgericht prüft dann, in welcher Höhe der Arbeitnehmer für seinen Pflichtverstoß haften kann. Folgende Faktoren werden bei der Berechnung des Haftungsanteils des Arbeitnehmers ebenfalls noch berücksichtigt:

- Die Höhe des Einkommens / Jahresgehaltes
- Die Summe des Schadens
- Eine mögliche Abdeckung des Sachschadens über eine Versicherung
- Der Grad der Verschuldung
- Die sogenannte Gefahrgeneigtheit der Arbeit

Unter der Gefahrgeneigtheit der Arbeit versteht man, wie hoch bei der Ausübung der Tätigkeit die Gefahr oder das Risiko ist, dass dabei Schäden entstehen können. In der Regel ist es so, dass diejenigen Minijobber, die einer geringfügigen Beschäftigung nachgehen, bei der es häufig vorkommen kann das Fehler gemacht werden, einen geringeren Haftungsanteil haben als Minijobber, die einer relativ risikoarmen Arbeit nachgehen. Das Unternehmen, in dem Sie Ihren Minijob ausüben, wird für den Fall, dass risikoreichen Tätigkeiten nachgegangen wird, eine Versicherung für Schadensfälle abgeschlossen haben. Damit ist der Betrag, mit dem Sie als Arbeitnehmer haften, in solchen Fällen also begrenzt.

Arbeitsrecht zur Arbeitnehmerhaftung

Wussten Sie, dass wenn der Arbeitgeber Mitschuld am entstanden Sachschaden trägt, Sie als Arbeitnehmer in der Regel nicht haften? Dies ist zum Beispiel dann der Fall, wenn Ihnen Tätigkeiten zugewiesen worden sind, für die Sie gar nicht qualifiziert genug waren. Oder dann, wenn die Voraussetzungen für ein sicheres und fehlerfreies Arbeiten gar nicht erst vorhanden waren.  In so einem Fall spricht man von einem Organisationsverschulden der Firma.
Von Jana Fast

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