Minijob: Brücke oder Sackgasse?

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Inhaltsverzeichnis:
  1. Was macht einen Job zum Minijob?
  2. Minijob: Die wichtigsten Infos im Überblick
  3. Rechtliche Ansprüche von Arbeitnehmern auf Minijob-Basis
  4. Für wen sind Minijobs überhaupt geeignet?
  5. Minijob: Chance oder Risiko für die Karriere?
    1. Minijob als Karriere-Sackgasse
    2. Minijob als Brücke zum beruflichen Erfolg
    3. So kommen Sie aus der Minijob-Falle heraus!
    4. Nutzen Sie Ihre Chance!
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Sie fragen sich, ob ein Minijob den Weg für eine erfolgreiche Karriere ebnen kann oder doch meist in einer beruflichen Sackgasse endet? Falls Sie bis dato lediglich in einem Teil- oder Vollzeitjob gearbeitet haben, mag es seltsam für Sie klingen, ausschließlich von einem oder mehreren Minijobs zu leben. Das ist allerdings Realität für einige Menschen in Deutschland, wobei insbesondere Studenten und Rentner von dem Beschäftigungsmodell profitieren. Für viele ist die jahrelange Arbeit auf 450-Euro-Basis jedoch eine echte Falle und entpuppt sich nicht als Brücke zur erfolgreichen Karriere. Wir erklären Ihnen im Folgenden, worauf es bei einem Minijob ankommt und wie Sie ihn als Chance nutzen können.

Was macht einen Job zum Minijob?

Bei einem Minijob unterscheidet man zuerst einmal in eine geringfügige Beschäftigung, in der ein monatliches Gehalt von 450 Euro nicht überschritten werden darf und einer Anstellung, die lediglich drei Monate bzw. 70 Arbeitstage dauert. Minijobs werden sowohl im privaten als auch im kommerziellen Sektor angeboten.

Minijob: Die wichtigsten Infos im Überblick

  • Ein Minijob ist jede Form von Beschäftigung mit einem maximalen monatlichen Verdienst von 450 Euro oder einer maximalen Dauer von 70 Arbeitstagen hintereinander.
  • Häufig sind Minijobs im Bereich einfacher Dienstleistungen zu finden, jedoch suchen auch größere Unternehmen, Start-ups oder spezielle Agenturen professionelle Unterstützung auf 450-Euro-Basis.
  • In etwa 7,5 Millionen Deutsche arbeiten in Minijobs.
  • Die Mehrzahl aller Minijobber erhält lediglich einen Stundenlohn von unter 7 Euro.
  • In Deutschland arbeiten 58 % aller Geringverdiener, die weniger als 5 Euro die Stunde verdienen, in Minijobs.

Rechtliche Ansprüche von Arbeitnehmern auf Minijob-Basis

  • gesetzlicher Kündigungsschutz
  • Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall (auch des Kindes)
  • fortlaufende Lohnzahlung im Mutterschutz
  • Entgeltfortzahlung an Feiertagen mit Arbeitsausfall
  • fortlaufende Lohnzahlung im Urlaub
  • Mindestlohn
  • Arbeitszeugnisse bzw. Nachweise

Für wen sind Minijobs überhaupt geeignet?

Es gibt verschiedene Gründe, die für einen Nebenjob sprechen. So wird er häufig von Studierenden ausgeführt, die etwas dazuverdienen möchten, als zusätzlicher Verdienst zur Altersrente genutzt oder dient als Arbeit, die sich mit der Kindererziehung vereinbaren lässt. Daneben verdienen viele Deutsche in ihrer Hauptbeschäftigung nicht genug Geld und führen daher parallel einen Minijob aus, da dieser abgabenfrei ist.

Für genau diese Gruppen ist der Minijob aufgrund der Befreiung von der Sozialversicherungspflicht eine gute Möglichkeit, den Lebensunterhalt zu bestreiten. Jedoch sollte langfristig eine Teil- oder Vollzeitbeschäftigung gewählt werden, die den individuellen finanziellen Bedürfnissen gerecht wird, um das Stolpern in die Minijob-Falle zu verhindern.

Minijob: Chance oder Risiko für die Karriere?

Ein Minijob ist insbesondere für Rentner, Studenten und Schüler eine gute Alternative, etwas dazuzuverdienen. Der Nebenverdienst ohne Abgaben kann sich jedoch auch als Sackgasse entpuppen. So kommt es nicht selten zu Altersarmut durch die Minijob-Falle und viele Menschen arbeiten weit unter ihrer eigentlichen beruflichen Qualifikation.

Es ist nachgewiesen, dass Minijobs in erster Linie dazu dienen, die Arbeitslosigkeit zu senken und dazu beizutragen, dass insbesondere Frauen besser in den Arbeitsmarkt integriert werden. Lediglich ein Drittel aller Minijobber ist männlich, was daran liegt, das Frauen häufig nicht mehr aus der Beschäftigungsform herauskommen. Leider trägt der 450-Euro-Job zu einer gegensätzlichen Entwicklung bei als initiiert. Häufig werden Minijobbern sogar die eigentlichen finanziellen und arbeitsvertraglichen Rechte verwehrt. Für Arbeitnehmer führt ein jahrelanges geringfügiges Beschäftigungsverhältnis folglich zu einem Leben am Existenzminimum, was letztendlich als Sackgasse der Karriere gesehen werden kann.

Minijob als Karriere-Sackgasse

Wenn der Minijob nicht mehr nur ein Nebenjob ist und Sie über Jahre auf diesem Beschäftigungsniveau bleiben, dann ist der 450-Euro-Job Ihr Hauptberuf. Das ist eine gefährliche Falle, in die in Deutschland vor allem Frauen tappen, die zuvor bereits in Teil- oder Vollzeit tätig waren. Häufig fehlen die nötige Motivation und das Selbstvertrauen, sich wieder für eine Halbtagsstelle oder eine größere Stelle zu bewerben.

Sie sollten sich die folgenden Nachteile eines Minijobs bewusst machen und genau abwägen, ob diese Form der Beschäftigung langfristig die richtige Alternative für Sie darstellt.

  1. Der Minijob ist keine Brücke zur erfolgreichen Karriere, da viele Unternehmen die anfallenden Kosten einer Festanstellung, wie etwa zur Sozialversicherung des Arbeitnehmers, nicht tragen möchten.
  2. Minijobber bekommen einen geringeren Stundenlohn als andere Arbeitnehmer in Teil- oder Vollzeit und können daneben nicht mehr als 450 Euro im Monat verdienen.
  3. Die tatsächliche „Arbeitslosigkeit“ wird ignoriert, da Minijobber als Arbeitnehmer gelten, obwohl sie weit unter dem notwendigen Verdienst liegen, um den eigenen Lebensstandard zu halten.

Minijob als Brücke zum beruflichen Erfolg

Sie sollten den Minijob nicht als langfristige Verdienstmöglichkeit sehen, sondern eher als Chance, beispielsweise nach dem Studium von einem 450-Euro-Job in eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung zu wechseln. Zum einen erhalten Sie einen deutlich höheren Stundenlohn und zum anderen laufen Sie nicht Gefahr, nach einigen Jahren in die Minijob-Falle zu geraten.

Die folgenden Vorteile einer Beschäftigung auf 450-Euro-Basis geben Aufschluss darüber, wie die Nebenbeschäftigung allen Beteiligten zugute kommt.

  1. Arbeitnehmer und Arbeitgeber sind von Versicherungskosten befreit, da der Staat bei Minijobbern die Sozial- und Kranversicherung des Angestellten übernimmt.
  2. Arbeitnehmer sparen Steuern, da Minijobber ohne weitere Einkommensquelle keine Steuern zahlen, insofern sie maximal bei einem monatlichen Gesamteinkommen von 450 Euro liegen.
  3. Minijobber haben das Recht auf bezahlte Krankheitstage und Urlaub, da gleiche Gesetzte gelten, wie für jede andere Form der Beschäftigung in Deutschland.

So kommen Sie aus der Minijob-Falle heraus!

Den Minijob in eine Anstellung in Teil- oder gar in Vollzeit zu verwandeln ist nicht einfach. Sobald Sie über 450 Euro im Monat verdienen, ist Ihr Arbeitgeber verpflichtet, ihre Versicherungskosten zu tragen. Das bedeutet erst mal höhere Kosten für den Arbeitgeber.

Wenn Sie aus bestimmten Gründen in einem Minijob gelandet sind, obwohl Sie zuvor bereits schon in einem Beruf in Teil- oder Vollzeit tätig waren, sollten Sie nicht lange in der Beschäftigung auf 450-Euro-Basis verweilen. Je länger Sie als Minijobber tätig sind, desto schwerer ist der Absprung aus der Minijob-Spirale. Und eines sollten Sie nicht vergessen: Ein Minijob bietet keine Grundlage zur Existenzsicherung!

Nutzen Sie Ihre Chance!

Es kommt ganz auf die Tätigkeit der Nebenbeschäftigung an, wenn Sie den Minijob als wirkliche Karrierechance nutzen möchten. Häufig werden Nebenjobs in Bereichen angeboten, die keine einschlägigen Vorkenntnisse oder beruflichen Qualifikationen erfordern. Damit Ihr Minijob sich als Brücke zur erfolgreichen Karriere erweist, sollten Sie lediglich Nebenjobs annehmen, die eine gewisse fachliche, im besten Fall auf Sie persönlich zugeschnittene, Eignung erfordern. Das erhöht Ihre Aufstiegschancen und die Möglichkeit, den Minijob in eine Teil- oder Vollzeitbeschäftigung umzuwandeln.

Grundsätzlich eignen sich Minijobs besonders für junge Menschen, die noch zur Schule gehen oder studieren. Ebenso kann der Nebenjob für Rentner und auch für Eltern eine gute Möglichkeit sein, um neben der Kindererziehung oder im Ruhestand noch etwas Geld dazuzuverdienen. Die Beschäftigung auf geringfügiger Basis stellt jedoch auch ein großes Risiko da, denn es besteht die Gefahr, dass Sie sich schnell in eine Sackgasse verrennen. Damit Sie den Minijob als wirkliche Brücke zum beruflichen Erfolg nutzen können, sollten Sie darauf achten, eine Tätigkeit zu wählen, in der es, Ihren Qualifikationen entsprechend, Aufstiegs- oder Weiterbildungschancen gibt.

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