Anonyme Bewerbungen: Sinnvoll oder nicht?


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Oft haben es Frauen, Migranten und ältere Menschen schwerer, sich bei der Jobsuche gegen ihre Konkurrenten durchzusetzen. Mehr Chancengleichheit verspricht die anonymisierte Bewerbung: Ein Lebenslauf ohne persönliche Angaben wie Alter, Geschlecht und Herkunft. Wie funktioniert das anonymisierte Verfahren und kann es gegen Diskriminierung vorbeugen? Was sind die Vor- und Nachteile?

Bei einer anonymisierten Bewerbung gibt der Bewerber die Informationen über ein vorgefertigtes Formular im Internet an, aber ohne Foto, Name, Adresse, Geburtsdatum und Familienstand. Das soll Vorurteilen entgegenwirken; nur die Qualifikationen zählen.

In den USA, Kanada und Großbritannien ist das Verfahren der anonymisierten Bewerbung schon lange üblich und auch europäische Länder wie Frankreich, Belgien und die Schweiz ziehen nach. In Deutschland gab es 2011 ein Politprojekt der Antidiskriminierungsstelle, das zwar ein breites Medienecho hatte, aber trotzdem keine spürbaren Auswirkungen nach sich zog.

Die Ergebnisse der Studie wurden als positiv bewertet: Die Chancen von Frauen und Migranten hätten sich deutlich verbessert, insbesondere jüngere Frauen hatten Vorteile, die oft aufgrund eines möglichen Kinderwunschs benachteiligt werden.

Die Bundesvereinigung Deutscher Arbeitgeberverbände bezeichnet die Studie jedoch als nicht repräsentativ; die anonymisierte Bewerbung bleibt in der Wirtschaft weiterhin unbeliebt. Kritiker bemängeln, dass die Bewerber ihrer Individualität beraubt werden und nur auf Abschlüsse und Schulnoten reduziert werden. Die Chancengleichheit besteht auch nur bis zum Vorstellungsgespräch, denn dort werden alle fehlenden Informationen nachgereicht. Aussehen, Alter und Herkunft fließen also trotzdem in die Beurteilung ein.

Auch die Unternehmen, welche von der anonymisierten Bewerbung Gebrauch machen, setzen es nicht für alle Stellen ein: Ausgenommen sind Positionen, die spezifische Anforderungen haben. Für Berufsanfänger ist das Verfahren ebenfalls weniger geeignet, da ihnen oft die Erfahrung und nötige Selbsteinschätzung fehlt.
Von K. Mai

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